Zum 03.10.2020: Freiheit

Buchcover. Dörthe Kähler: Ingeburg Kähler. Frei – In zwei DiktaturenJa, dreißig Jahre ist es her, daß die düstere, unterdrückende Welt, die wir kannten – nach fast einem halben Jahrhundert albtraumartiger Existenz! –  grundlegend stürzte. In die Freiheit gestürzt wurde. Wir konnten es kaum fassen – und fassen es heute noch kaum. Was wir heute aber wissen: Sie stürzte nicht gänzlich. Sie stürzte in die richtige Richtung – was wir nicht allein uns selbst zu verdanken haben – , doch zu vieles blieb völlig intakt. Deshalb bleibt das Thema aktuell: Freiheit. Zu diesem Thema haben einige rainStein-Bücher Wesentliches zu sagen. Allen voran Ingeburg Kähler. Frei-in zwei Dikaturen, dazu die begleitende Kurz-Doku Der Mond, durchschnitten.  Aber auch als direktes Zeugnis Hier war der Himmel geteilt und, ergänzend, Mein doppelter Regenbogen sowie, den Anfang der Fünfziger Jahre erklärend, zumindest ein Kapitel von Verena von Hammerstein und ihre jüdischen Freundinnen.

 

Aus Lotte Kähr, Hier war der Himmel geteilt:

Hungrig kam ich zu denen, die mich nicht kannten
Und die mich nicht verstanden, bat ich um Trank.

An der Grenze

Friede soll in dir sein, meine Seele
höre die langatmenden Chöre der Nacht
der Mond
durchschnitten von schwarzen Drähten
wird heute
wachend über deinem Schlaf
selber bewacht

(1970)

Frühling

Pelzkappen aus kühnem Grün
begegnen der Sonne,
hochgereckt stehen Bäume, ihre Blöße
mit den neuen Spielen eben geborener Schatten bedeckend.
Meine Hand, die malend über den Himmel fährt,
soll nicht abgehauen werden.
Mein Auge, das sich in Drahtverhauen verliert,
soll nicht ausgerissen werden.
Denn wie sonst soll dieser mein Frühling
den harten Wellen des Schmerzes widerstehen,
wie sonst sich aus der Tiefe zum Leben erheben?
(1972)

Höre sie

Freiheit, nur für eine Nacht.
Worte der schwarzen Frauen.
Worte aus Gräbern, für mich erdacht.
Freiheit.
Freiheit, nur für eine Nacht.
Freiheit, die für mich gemacht.