Wir reden über die Retter

 

Hillel Kron, 1942. Ermordet 1943.

Ja, bei uns reden die Überlebenden, sie sprechen selbst. Doch versuchen wir auch denen Stimme zu geben, die nicht entrinnen konnten. Ebenso hat es Sinn, von denen zu berichten, die anderen halfen, zu entrinnen. Sie als Leser finden die Zeugnisse für jedes dieser Schicksale in unseren rainStein-Büchern, u.a. in „Das Kind im Park“ und „Marianne“.  Und: wir erwähnen jene, denen die Rettung anderer nicht gelang – schauen Sie in „Die Frau mit der Lotosblume“. Da andererseits nicht mehr viele Zeugen unter uns sind, erzählen wir anhand von Zeugenaussagen inzwischen auch fiktiv von Rettungen, insbesondere in „Hinter dem Schweigen“ – es bedeutet ja, daß es möglich war und daß sich überall und in allen Schichten Menschen fanden, die das auf sich nahmen, die es wagten. Dennoch: Es blieb eine Rettung vor dem Tod. Darum berichten wir immer und immer wieder von denen, die nicht gerettet werden konnten. Und daher auch von denen, die es als in Ordnung, geboten und zwingend sahen, Menschen auszusondern, unsichtbar zu machen, stimmlos, rechtlos, und sie schließlich einzufangen, abzutransportieren und zu töten. Es ist wahr: Man war sich nicht nur in Wannsee einig, im Januar 1942. Zustimmung gab es landesweit. Es waren genug, die es bis zum Ende trieben und nicht abließen, und das Ende begann erst mit der Befreiung der  Ausschwitz-Insassen, 27.01.1945 – und endete nicht vor dem Mai 1945. Da waren nicht mehr viele übrig von den europäischen Juden. Jeder zweite Jude weltweit war ermordet, viele der übrigen Juden auf der Flucht, emigriert, wurzellos oder weitergehenden Pogromen ausgesetzt – in Nordafrika, in Europa, Südamerika, Fernost. – Wir reden von den Geretteten. Und von ihren Rettern. Wir beschreiben Verfolger und Gleichgültige. Wir erinnern an jene, denen ihr Leben genommen wurde. – Lesen Sie rainStein.

Rhea, gerettet in Berlin. 1943