Autoren: Rhea Schönborn, Ruth Schönborn

 

296 Seiten

zahlreiche s/w Abbildungen u. Dokumente

Erscheinungsjahr: 2020

Derzeit noch begrenzt verfügbar. Vorbestellungen möglich.

Preis: 19.90 €

 

ISBN: 978-3-940634-23-8

Verfolgung und Rettung: Das Kind im Park. Eine Geschichte von Überleben und Verlust

Noch immer aktuell: diese Geschichte über Verfolgung und über eine großartige Rettung. Berlin, Februar 1943.

Eine kleine Anzeige erscheint in den Berliner Zeitungen: Gesucht wird nach der Herkunft eines Findelkindes; die Kleine stand ganz allein im Johannisthaler Park. Doch die Eltern lassen sich nicht finden. So lebt Reni plötzlich bei Fremden. Und ihre Mutter „taucht unter“, lebt im Untergrund – ohne ihre Tochter, die sie bei den Adoptiv­eltern immerhin in guten Händen weiß. Ob sie ihr Kind eines Tages wiedersehen wird?  Unter den aktuellen Umständen scheint das unmöglich…

Eine Geschichte über Furcht und Mut, über stille Helden, die retteten, und über eine Stadt, die sich an eiskalter Vernichtung ihrer Bürger beteiligte.
Erzählt und ausführlich dokumentiert von Rhea, dem »Kind im Park«, und ihrer Schwester Ruth Schönborn

Aus dem Vorwort:

»Jede Familiengeschichte ist ein Roman.« Diesen Satz hörten wir oft von unserer Mutter. Auch die Geschichte unserer Familie bietet Stoff für einen Roman.

Die Grundlage für einen Roman ist eine gute Recherche. Was aber, wenn das Ergebnis einer solchen eher unbefriedigend ist, weil viele Fakten zu einem bestimmten Zeitabschnitt einfach nicht mehr zu ermitteln sind?
Leider konnten wir von unserer Mutter nur bruchstückhaft Familiengeschichte hören, weil fünf Jahre ihres Lebens, und davon drei besonders schreckliche, alles andere wie ein riesiger Schatten überdeckten. Sie war nicht in der Lage, mehr als nur kurze Episoden aus dem Leben ihrer Familie zu erzählen, selbst wenn diese weit zurücklagen und erfreulicher Natur waren.
Wenn wir mehr über unsere Großeltern und über die Schwester unserer Mutter und deren Familie wissen wollten, dann fing unsere Mutter manchmal an, kleine Begebenheiten zu erzählen. Doch schon nach ein paar Sätzen wurde ihre Stimme leiser, und dann verstummte sie.
Als wir Kinder waren, haben wir öfter nachgefragt, wenn uns eine Geschichte nicht zu Ende erzählt schien. Dann hat unsere Mutter immer abgewinkt. Wir spürten bald, dass sie still wurde, weil der Kummer ihr den Hals zuschnürte. Später hat sich dieses Zugeschnürtsein auf uns übertragen, und wir haben nicht mehr nachgefragt. Mehr und mehr konnten wir die beklemmenden Gefühle unserer Mutter verstehen.
Noch heute ist unser Herz schwer, wenn wir an diese Situationen denken. Dieses Nichtbegreifen, dass so schreckliche Dinge passieren konnten, ist nur auszuhalten, wenn man nicht immer daran denkt – doch sind die Ereignisse tief im Familienbewusstsein verankert.

So oft schon haben wir von Familien gehört, in denen auch nicht über die gleichen Tragödien gesprochen wurde, wie sie über unsere Familie gekommen sind. Oft war da auch von Schuldgefühlen die Rede, dass ausgerechnet sie und nicht die anderen überlebt haben. Unsere Mutter und ihre erstgeborene Tochter haben mit Hilfe einiger Menschen diese Schreckenszeit überlebt. Menschen haben ihr Leben riskiert, obwohl sie wussten, was mit ihnen passiert, wenn sie entdeckt werden.

Lange nach dem Tod unserer Mutter beschlossen wir, diesen Teil der Familiengeschichte für unsere Kinder und Enkel zu bewahren. Leider entschlossen wir uns sehr spät dazu, so dass wir nur noch wenige Menschen fanden, die uns helfen konnten, die Geschehnisse zu rekonstruieren. Mit Hilfe einiger Archive haben wir noch mehrere Details zusammengetragen. Schon im Krieg wurden Aktenbestände durch Bomben vernichtet, und für einen großen Teil der übrigen Dokumente war zum Zeitpunkt der Suche die Aufbewahrungsfrist abgelaufen. Die Nachkommen der Helfer, mit denen wir noch sprechen konnten, haben uns leider nur teilweise Auskünfte geben können. Ihre Eltern hatten in den meisten Fällen nur sehr wenig über ihre für sie gefährliche Hilfe gesprochen. Wir wollen, dass ihr wahres Heldentum durch die Schilderung dieser Hilfe gewürdigt wird. Und wir möchten daran erinnern, dass trotz des Drucks, der von den Nazi–Diktatoren auf ein ganzes Volk ausgeübt wurde, gar nicht so wenige Menschen den Mut hatten, sich dagegen aufzulehnen. Wir haben die Berichte von Personen, denen tatsächliche Ereignisse bekannt waren, und von Personen, die von verschiedenen Vorgängen gehört hatten und diese überliefert haben, verarbeitet. So ist nun kein Roman entstanden, sondern ein Buch, in dem Tatsachenberichte durch erzählte Teile ergänzt wurden.

Die Erwartung, dass die Katastrophe des Zweiten Weltkrieges als Lehre dient, überall auf der Welt nach dauerhaftem Frieden zu streben, hat sich nicht erfüllt. Doch wir hoffen, dass genügend Gegenkräfte vorhanden sind, die verhindern, dass extremer Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus uns in die nächste Katastrophe treiben.

Autoren: Rhea Schönborn, Ruth Schönborn

 

296 Seiten

zahlreiche s/w Abbildungen u. Dokumente

Erscheinungsjahr: 2020

Derzeit noch begrenzt verfügbar. Vorbestellungen möglich.

Preis: 19.90 €

 

ISBN: 978-3-940634-23-8