Marianne hat überlebt

Für manche ist es keine Erinnerung wert, viele halten sich die Ohren zu. Für uns ist es wichtig, Tag für Tag – das Leben derer zu erzählen, die die Shoa überlebten. Die Shoa. Jene umfassende, überkorrekte, überorganisierte Vernichtung, die in rasendem Tempo durch viele, durch Deutsche über das ganze jüdische Volk gebracht wurde. Ein Haßtornado, im Namen des Guten. Durch nichts zu relativieren, mit nichts zu vergleichen.

Wir erzählen, weil es hier geschah, zwischen uns, unter uns. Wir berichten, weil es nicht vorüber ist, nie sein wird. Wir lassen Überlebende zu Wort kommen, weil sie noch leben. Weil ihre Kinder leben. Ihre Enkel. Deshalb halten wir diese Stimmen fest, bringen diese Bücher in die Welt.

Das gefällt nicht immer. Tatsächlich: Erinnerung, außerhalb offizieler Events,  wird häufig infragegestellt, relativiert, „aufgewogen“ gegen andere Leiden, niedergeschrien. Die Opfer werden zu Tätern erklärt – und werden erneut bekämpft. Hier, in Deutschland.

An diesem Montag wird Marianne Degginger in St. Gallen 90 Jahre alt. Sie, ihr Bruder und ihre Mutter wurden mitten in Deutschland, in Kleinmachnow bei Berlin, gerettet – durch einen unerschrockenen Vater, dessen mutige Verwandtschaft, durch stille Helden, die in Ämtern Stempel gaben, wo sie nicht durften.

Nicht gerettet wurde Mariannes Großmutter. Nicht gerettet wurden Verwandte, Freunde, Bekannte.

Wir gratulieren Marianne! Und freuen uns, ihre Stimme bei uns zu haben – in ihrem Buch: „Marianne. Eine wahre Geschichte.