Autoren: Dörthe Kähler, Marianne Degginger

Seiten: 223
Fotoseiten: 57
Erscheinungsjahr: 2014
Preis: 19,90 €

ISBN: 978-3-940634-20-7

MARIANNE Eine wahre Geschichte

Überleben!
Spannung pur. Und eine Fundgrube.
Das Buch führt, welchen Pfad man auch einschlägt, zu dieser einen wahren Geschichte: von Marianne, die in Kleinmachnow bei Berlin aufwächst. Was geschieht mit ihr, was mit Omi Sofie, mit Bertel, Fritz und Onkel Max? Was erleben sie zwischen 1941 und 1951? Und was war davor? – Marianne erzählt. Wir sind ganz nah dran. Und verstehen, wie ein Mensch in Deutschland groß wird, wenn er jüdisch ist und 1932 als Geburtsjahr im Register steht.
Ein Buch für junge und ältere Leser.
Mit zahlreichen Fotos. Und umfangreichem Anhang.

Stichworte: Biographie/Tagebuch/Dokumentation/wahre Geschichte/Jüdisches Überleben

Stimmen zum Buch

Potsdamer Neuste Nachrichten (09.05.2014): Tobias Reichelt über die Denkmals-Einweihung am 08.05.2014 in Kleinmachnow und das Buch MARIANNE.

Prof. A. Raev, Bamberg: „Man wird sehr reingesogen in die Geschehnisse, es nimmt einen mit. Es ist sehr gut gelungen, den kindlichen Tonfall, aber auch die Berliner Schnoddrigkeit anklingen zu lassen. Das dürfte jüngeren Leserinnen und Lesern besonders entgegenkommen, denn gegen erwartete Betroffenheit setzen sie sich nach meiner Erfahrung eher zur Wehr. So haben sie eine Chance, sich der Geschichte zu stellen.“

Sühnezeichen stellt das Buch MARIANNE vor: im Themenheft  „Licht ist ausgesät denen, die gerecht sind….“ (2015/ S. 68).

Buchauszug: Das Cello

22.05.1945 Kleinmachnow
Die Bahnstrecken sind seit Kriegsende kaputt. Als Papa gestern ins Büro wollte, mußte er wieder stundenlang laufen, bis nach Berlin-Mitte — und zurück.
Das allein wäre schon zu viel gewesen für meinen immer noch geschwächten Papa!
Diesmal aber schleppte er auf dem Heimweg noch das Cello mit. Schweißtriefend, erschöpft kam er an.
Lilos Cello! Er hatte es so lange gut verwahrt. Unter seinen eigenen Augen! Immer hatte Papa es dicht bei sich gewußt.
Wegen der Bombenangriffe nahm er es gleich 1942 mit. Brachte das kostbare Stück hinunter in den dickgemauerten Keller der Reichskreditanstalt. Dort verschloß er es fest, im großen Safe seiner Bank. Nein, es gab keinen sichereren Ort in Berlin!
Doch es geschah – Wasser brach ein in den sonst unberührten Keller nahe der Friedrichstraße. Der Krieg ging zuende, war es Löschwasser von Bränden, war es Spreewasser durch gesprengte Wehre? – egal. Das Wasser stieg, durchdrang alle Räume, alle Ritzen, höher und höher, die Safes ertranken in Wasser.

Das Cello ertrank.

Irgendwann zog sich das Wasser zurück. Der Keller trocknete, mehr und mehr. Papa stieg hinunter, öffnete den Safe, schaute, tastete vorsichtig. Die Hülle lag unberührt. Wie erleichtert er war!
Er wußte nicht: das Wasser hatte das Holz längst zerstört.
Auf dem Weg, in der Hand meines Vaters, zerfiel das Instrument.
Papa stand auf der Straße, vor uns, mit aufgerissenen Augen, Entsetzen wie nie im Blick, verzweifelt starrte er auf tausend Holzsplitter in seiner Hand.

Ein Bild, das uns schweigend verband.

 

Autoren: Dörthe Kähler, Marianne Degginger

Seiten: 223
Fotoseiten: 57
Erscheinungsjahr: 2014
Preis: 19,90 €

ISBN: 978-3-940634-20-7