Autoren: Dr. Eva Avi-Yonah, Dr. Wilhelm Bruners

Seiten: 151
Erscheinungsjahr: 2010
Preis: 12,90 €

ISBN: 978-3940634-13-9

Brennpunkt Lyrik aus Israel

Deutsche Lyrik aus Israel. Die Dichterin, Malerin und Bildhauerin Dr. Eva Avi-Yonah überrascht durch Provokation und Hingabe. Geboren 1921 in Wien, seit 1936 in Palästina, blieb Deutsch für Avi-Yonah bis zu ihrem Tod (2011 in Jerusalem) die Ur-Sprache, voller Witz, Ironie und Zärtlichkeit. Ihre Texte spielen uns staunende Lust am Dasein zu – noch in Schmerz, Verlorenheit und Trauer. An uns ist es, den Ball aufzufangen, nachzudenken und zu genießen.  – Das zweite Buch der Gründerin von Lyris bei rainStein.

Mit einer anrührenden Würdigung durch Dr. Wilhelm Bruners.

Stichworte: Deutschsprachige Lyrik aus Israel bei rainStein, Band 3

Vorwort zu „Brennpunkt“ von Dr. Wilhelm Bruners

EvaZeit – WortZeit

Heilige Zeit. Einmal im Monat unser Treffen. Im Sommer auf der umgrünten Terrasse. Aufstieg über die schmale Treppe im Haus im Winter. Vorbei am Arbeitszimmer von Michael. Alles so, wie er es einst verlassen hat. Er, der Bleibende seit Jahrzehnten. In geheimnisvollem Zwiegespräch mit Eva – auch nach seinem Tod. Mit ihr, der ganz Gegenwärtigen. Davon erzählt sie in ihrer Biographie.

Im Obergemach, biblischer Ort eines Symposions, empfängt sie uns. Ihre literarischen Gäste. Den Lyris-Kreis-Jerusalem. Alt und lebendig. Kein Fossil. Im Gegenteil. Auch wenn es draußen schon dunkelt. Sie
sind immer noch in der Muttersprache zuhause. Haben sich daraus nie vertreiben lassen. Bewahren sie in ihren Gedichten vor Verflachung. Vor feindlicher Übernahme durch Fremd-Worte. Vor Alltäglichem. Nur Nützlichem. Jede und jeder hat drei Gedichte mitgebracht. Wir lesen sie einander vor. Horchen gespannt auf das Echo. Korrigieren uns…

Eva liest meist zuletzt. Lässt anderen den Vortritt. Ihr letztes Wort zählt. In ihren Texten lebt die Pauken-Mirjam vom Roten Meer. Die Spötterin. Die erste Sängerin ihres Volkes. Das Buch „Namen“überliefert ihr Siegeslied (in der Übertragung von Martin Buber): Singet IHM/, hoch stieg ER, hoch, / dass Ross und seinen Reiter/ schleuderte ER ins Meer (Ex15 ,2.). – Ein Spottlied auf Pharao. Auf niederträchtige, anmaßende Macht. Lächerliche Karikatur. Damals. Aktuell und scharf beobachtet – heute von Eva. Viele ihrer Gedichte sind politisch. Spöttisch. Aber ernst gemeint. Sie schaut auf Brennpunkte. Auf Mauern. Nicht parteiisch. Nicht kurzsichtig. Aber mit unbestechlichem Blick. Regierende fallen ihr ins Auge. Und Regierte. Mitläufer. Auch das: Damals wie heute. Andere Texte tragen Trauer über Zerbrochenes. Schleichenden Verlust von Humanem. Auch in der eigenen Gesellschaft. Sie entdeckt Ungereimtes. Und macht sich ihren „bissigen Reim“ darauf. Ausgeraubt fühlt sie sich manchmal. Wehrlos. Nur bewaffnet mit Wort und Bild. Die bleiben ihr. Und darin versteckt oder offen lebt ihre Vision. In Einheit mit den großen Visionen ihres Volkes. Die lässt sie sich nicht rauben. Sie gibt nicht auf. Eines Tages: es könnte ja sein…Zweifelt, aber verzweifelt nicht.

An ihren Wänden haben die Visionen Farben. Auch in ihnen drückt sie sich aus. Sie bleibt Schülerin und Lehrerin. Nie zu alt, um noch zu lernen. Sie ist weise.

In ihren Texten liegen Splitter. Sie will es so. Die zwingen ins Bewusste. Verletzen. Machen Verletzungen offenbar. Auch vernarbte. Schneiden sich durch die Oberflächliche unter die Haut. Drängen die Leser in die Langsamkeit. In die Verzögerung. In genaue Beobachtung. Auch von Tieren und Pflanzen. Sie spricht mit ihnen. Sieht sich als Partnerin von allem Lebendigen. Kosmischen. Von Werden und Vergehen. Sie kennt kein höher und tiefer. Alles ist lebendige Schöpfung. Zum Tod oder Leben verurteilt. Sie lässt es offen. Bleibt in der Frage. Verbindet Unverbundenes. Holt Verdrängtes ans Licht. Dennoch: Das Geheimnis bleibt. Im Bild. Und darin unergründlich. Ein offener Dialog. Sie ist streng zu sich. Scharfsinnig. Sie schaut auf’s Wort. Auf’s genaue. Auf’s wahre. Auf’s überraschende. Auf die Syntax. Verbiegungen spürt sie auf. Seismographisch.

Mir hat sie in Israel ein deutsches Sprachhaus geschenkt. Ein lebendiges. Ein Zuhause in der eigenen Sprache. Die habe ich durch Eva und den Lyris-Kreis weiter ausloten können. In bester Sprach-Tradition. Der ich mich nicht zu schämen brauche. Dank sei Dir, Eva. Und Dank allen, die Evas Gedichte zugänglich machen. Dort, wo sie gelesen und gehört werden sollen. Im deutschsprachigen Raum. Bei möglichst vielen. Damit unsere gemeinsame Sprache, Eva, nicht verkommt. Im Lärm der Sprach-Lügen unserer Zeit.

Autoren: Dr. Eva Avi-Yonah, Dr. Wilhelm Bruners

Seiten: 151
Erscheinungsjahr: 2010
Preis: 12,90 €

ISBN: 978-3940634-13-9