LYRIS

magali Zibaso, Eva Avi-Yonah und Yvonne Livay 2011 bei ihrer Lesung auf der Internationalen Buchmesse in Jerusalem

LYRIS-Lesung bei der Internationalen Buchmesse 2011 in Jerusalem

Und sie wirken! – Noch.
LYRIS – das sind jüdische Künstler aus dem deutschsprachigen Raum, die emigrierten, überlebten, das sind Kinder von Überlebenden: Menschen, deren Muttersprache deutsch ist, deren Volk und Familien von Deutschen ausgelöscht wurden. Seitdem in Jerusalem als ihrer Zuflucht zuhause, können sie von der Muttersprache aber nicht lassen: Sie dichten in der Sprache ihrer Wiegenlieder, in der Sprache der Mörder. Und darin fanden sie sich, seit 1982 bei monatlichen Treffen: u.a. die ehemalige Geliebte Celans, Ilana Shmueli (gest. 2012) und der Lyrik-Nationalpreisträger Manfred Winkler (gest. 2014), beide aus Czernowitz, sowie die Malerin, Bildhauerin, Dichterin Dr. Eva Avi-Yonah, (1921 Wien – 2011 Jerusalem); die Musikerin, Dichterin, Übersetzerin und Ehrenmitglied des PEN Dr. Magali Zibaso, (1939 Berlin – 2012 Jerusalem) wie auch die Musikerin, Malerin, Dichterin, Bildhauerin Yvonne Livay, geb. 1942 in Zürich (www.yvonnelivay.com).
Im Auftrag des Goethe-Institutes Jerusalem entstand 2008 ein in israelischen Kinos und auf Filmfestivals gezeigter Lyris-Dokumentarfilm: Der Klang der Worte  von Gerhard Schick (www.filmundkontext.de).

Hier wird die Kraft der Worte, Skulpturen und Gemälde der Gruppenmitglieder offenbar: Diese Menschen setzen Kreativität als Mittel emotionalen Überlebens ein. Sie entgingen der Vernichtung durch Deutsche, seitdem können sie bei uns nicht mehr sein. Die deutsche Sprache blieb, trotz allem, Mutter­sprache, jedoch als „Seelensprache“ lange gespro­chen in einen Raum ohne Echo. Sie könnten bei uns Heimat gewinnen, wenn wir sie hören: Wir können ihnen Echo geben.

rainStein hat sich dieser Aufgabe gestellt. Als kleiner unabhängiger Verlag geben wir die Werke einzelner LYRIS-Mitglieder in Deutschland heraus. Sie als Leser können helfen – indem Sie die Bücher der LYRIS-Gruppe erwerben, empfehlen, aus ihnen vorlesen.

Lyris-Einzelbände in der rainStein-Bibliothek: Dr. Magali Zibaso: Augen (Lyrik 2007, 2. Aufl. 2010), Winde über Jerusalem (Lyrik 2011), beide mit Vorworten von Manfred Winkler. Dr. Eva Avi-Yonah: Aus meinen sieben Leben (Autobiographie, 2009), Brennpunkt (Lyrik 2010), mit einem Vorwort von Dr. Wilhelm Bruners, sowie Tagewerk (Lyrik 2011). Yvonne Livay: Rostige Zeiten (Lyrik 2010), mit einem Vorwort von Manfred Winkler, und Herbstbrand (Lyrik 2011).
Die Cover sind durchweg mit bildnerischen Werken der Künstler gestaltet, in den Büchern von Yvonne Livay wird sogar der gesamte Text von Drucken bzw. Gemälden der Künstlerin begleitet.

Der rainStein-Verlag hat die LYRIS-Reihe 2007 gestartet. Seitdem sind bereits zwei unserer Autorinnen gestorben. Noch zu Lebzeiten erfuhren sie aber, dass Deutsche bereit sind, ihnen zuzuhören und zu antworten. – Der rainStein-Verlag konzentriert sich weiter auf die Veröffentlichung der Texte von Überlebenden.

Mehr über LYRIS

1. Hören sie einen rainStein-Radiobeitrag von 2010!
Das Interview des domradios Köln mit Dörthe Kähler.


2. Oder schauen Sie ein rainStein-Video von 2011!
2011 gab es ein großartiges Treffen der LYRIS mit vielen, die hinaus in Brandenburgische Land kamen, auf Schloß Gollwitz. rainStein hatte den Tag initiiert – Konzert, Ausstellung der Jerusalemer Gemälde, Filmvorführung, Gespräch – vor allem jedoch Lesungen von Eva Avi-Yonah und Yvonne Livay!

3. Und, ja,  die Spur führt zu Paul Celan. Ein Blog-Beitrag von Ulrich Kasparick.