Direkt. Aus der Vergangenheit ins Heute.

Five-Seasons.webNoch bis morgen sind in Berlin (Deutsches Historisches Museum) 100 Werke jüdischer Künstler zu sehen, 100 Bilder, die für kurze acht Wochen von Yad Vashem aus Jerusalem zu uns kamen und die einst in Europa entstanden: in Ghettos, Verstecken, Lagern, KZs. Es sind Bilder, Gedichte, wie sie direkter nicht sein könnten – direkte Botschaften an uns, die Nachlebenden. Und an die Überlebenden. Botschaften von jüdischen Menschen, die sich offen mit dem Tod bedroht sahen und die tatsächlich ermordet wurden. Solchen Botschaften heute gegenüberzustehen, ist (egal, wieviel man über jene Zeiten weiß) unerwartet, schmerzlich, höchst persönlich. Sehr erhellend. Direkt.

Im Mai wird die rainStein-Autorin Yvonne Livay aus Jerusalem nach Berlin kommen – und sie wird erstmals Auszüge ihres noch unveröffentlichten ersten Romans lesen. Dieser Roman handelt von eben solchen direkten Botschaften: von Briefen und Karten. Die waren real und sie kamen aus Ghettos, Lagern, KZs im Osten Europas. Sie alle waren an eine einzige, noch sehr junge Frau gerichtet: die Mutter schrieb an ihre Tochter, Verwandte schrieben an ihre Schwester, Nichte, Cousine. Während die Frau alle diese Botschaften erhielt, las, darüber fast zerbrach (und darauf starrte, als sie sie nicht mehr erhielt—), war sie schwanger, gebar ein Kind, fütterte das Baby, sang es in den Schlaf, lehrte es sprechen und laufen: Dieses Kind war Yvonne.

Yvonne Livay setzt sich mit jenem Unfaßbaren schon seit langem in ihren Gedichten auseinander.  Auch in ihrer bildnerischen Kunst – einzigartigen Skulpturen, Masken (siehe obige Abbildung), Installationen, Lithographien, Ölgemälden…  Nun aber: direkt. In einem Roman.